"Du lebst mit 2 Männer in einem Haus?" Das hat mich mal jemand im Bus gefragt. Hey nei, das wäre mir zu anstrengend. Wir leben im Nestmodel. Das heisst, dass die Kinder nach der Trennung der Eltern weiterhin in ihrem Nest, ihrem bisherigen Zuhause, wohnen und die Eltern zwischen zwei Wohnorten pendeln. Funktioniert das? Bei uns seit über 12 Jahren. Und ja, inklusive den neuen Partnern. Die sind an den Wochenenden häufig auch im Nest der Kinder, manchmal sitzen auch alle 4 Erwachsenen mit den 3 Kindern an einem Tisch.
Einmal haben wir das Nestmodell sogar in den Ferien getestet: 2017, also 2 Jahre nachdem ich Simon kennengelernt habe, haben wir für 2 Wochen eine Wohnung am Meer gemietet: Ich habe die erste Woche mit meinem Partner und den Kindern dort verbracht, die zweite Woche hat mein Ex-Mann mit seiner Partnerin übernommen. Das Foto oben entstand an einem der zwei "Übergabe-Tage".
Was braucht es, damit das Nestmodell funktioniert?
1. Ähnliche Bedürfnisse begzl. Ordnung und Sauberkeit im Haushalt: Wir übergeben einander das Haus aufgeräumt und sauber.
2. Klare Absprachen, wer welche Aufgaben übernimmt: Bei uns ist dies ganz altmodisch: er kümmert sich um das Rasenmähen, Holzbeigen, Reparaturen. Ich bin diejenige die putzt, das Organisatorische regelt, mich um die Geburstage kümmert.
3. Loben statt Lästern: Ich bemühe mich, respektvoll über den Vater der Kinder und dessen Partnerin zu reden. Ich bemühe mich, die Vorteile statt die Nachteile des Nestmodells zu sehen.
4. Sich aktiv um Freundschaft mit dem neuen Partner des Ex bemühen: Seine neue Partnerin muss nicht meine Freundin sein, aber ich bin ehrlich an ihr interessiert.
5. Integer sein, damit wir uns gegenseitig vertrauen können: Gerade wenn Verletzungen aufgrund von Geheimnissen passiert sind. Wir bemühen uns um Transparenz für unsere Entscheidungen/Lebensplänen, damit niemand von Veränderungen des anderen überrascht wird.
5. Ehrlich mit sich selber sein: Ich teile mich mit, wenn es mir zu eng oder zu viel ist. Ich gestehe, wenn ich eifersüchtig oder neidisch bin.
6. Familienrat nutzen: Nicht nur wenn es schwierige Themen gibt, auch sonst bemühen wir uns, dass wir regelmässig miteinander Znachtessen und einander zuhören.
Ich habe volles Verständnis dafür, dass viele Eltern das Nestmodell nach einer Weile wieder aufgeben. Für eine Übergangszeit kann es jedoch für alle sehr hilfreich sein, da uns zu viele Veränderung auf einmal häufig überfordern. Auch ist zu empfehlen, als Eltern für die Trennung eine Beratung oder Mediation auf zu suchen. Ebenso ist es wertvoll, wenn die Kinder eine unparteiische Bezungsperson haben, mit der sie ihre Sorgen teilen können.
Hier findest Du viele Erfahrungsberichte und Expertenmeinungen sowie Beratungsadressen: https://www.patchwork-familie.ch
